Hiob 19
ELB2020
1 Und Hiob antwortete und sagte:
2 Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten zerschlagen?
3 Schon zehnmal habt ihr mich beschimpft. Ihr schämt euch nicht, ihr setzt mir hart zu.
4 Und habe ich auch wirklich geirrt, so bleibt doch
5 Wenn ihr wirklich gegen mich großtun und mir meine Schande vorhalten wollt,
6 so erkennt denn, dass Gott mich gebeugt und sein Fangseil
7 Siehe, ich schreie: Unrecht! – und werde nicht erhört. Ich rufe um Hilfe, und da ist kein Recht.
8 Er hat meinen Weg verschüttet, und ich kann nicht hinüber; und auf meine Pfade legt er Finsternis.
9 Meine Ehre hat er mir ausgezogen und weggenommen die Krone meines Hauptes.
10 Er hat mich abgebrochen ringsum, sodass ich vergehe, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum.
11 Und seinen Zorn ließ er gegen mich entbrennen und achtete mich seinen Feinden gleich.
12 Vereint kamen seine Scharen und bahnten ihren Weg gegen mich
13 Meine Brüder hat er von mir entfernt, und meine Bekannten sind mir ganz entfremdet.
14 Meine Verwandten
15 Die Schutzbefohlenen meines Hauses und meine Mägde halten mich für einen Fremden; ein Ausländer bin ich in ihren Augen geworden.
16 Meinen Knecht rufe ich, und er antwortet nicht; mit meinem Mund muss ich ihn anflehen.
17 Mein Atem ist meiner Frau widerlich, und stinkend bin ich den Kindern meiner Mutter
18 Selbst Buben verachten mich. Will ich aufstehen, so wenden sie sich von mir ab
19 Alle meine Vertrauten
20 Mein Gebein klebt an meiner Haut und an meinem Fleisch, und an der Haut meiner Zähne bin ich kahl geworden
21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch über mich, ihr meine Freunde! Denn die Hand Gottes hat mich getroffen.
22 Warum jagt ihr mir nach wie Gott und könnt von meinem Fleisch nicht satt werden?
23 Würden doch meine Worte aufgeschrieben! Wären sie doch in einem Buch und eingraviert,
24 mit eisernem Griffel und Blei, in den Felsen gehauen auf ewig!
25 Doch ich weiß: Mein Erlöser
26 Und nachdem man meine Haut so zerschunden hat, werde ich doch aus meinem Fleisch Gott schauen.
27 Ja, ich werde ihn für mich schauen; dann sehen ihn meine Augen, aber nicht als Fremden. Meine Nieren verschmachten in meinem Innern.
28 Wenn ihr sagt: Wie wollen wir ihm nachjagen! – und dass die Wurzel der Sache
29 so fürchtet euch selbst vor dem Schwert! Denn das Schwert ist der Grimm, der über